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APRIL 2019

Editorial

Über eine österreichische Lösung für ein weltweites Problem

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eit Ende März ist es fix. Die Regierung bleibt beim Thema „Rauchen in der Gastronomie“ bei ihrer Old-School-Meinung und wird die Anliegen des „Don’t-Smoke“-Volksbegehrens nicht weiter verfolgen. Die knapp 900.000 Unterschriften werden dabei ebenso bagatellisiert wie die Tatsache, dass die jetzige Regelung unsinnig ist.

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Denn mit dem Rauchen in der Gastronomie ist es eigentlich ganz einfach, gibt es in der Theorie nämlich nur zwei schlüssige Denkansätze. Sieht man die Sache aus dem Gesichtspunkt des Mitarbeiterschutzes, ist ein generelles Rauchverbot wohl der einzige Weg. Oder sind manche Mitarbeiter weniger schützenswert als andere? (Vermutlich schon, aber wer will das entscheiden.) Ist man mehr von der Sorte „Muss ja nicht da arbeiten“, ist der einzige logische Schluss das Nicht-Einmischen des Staates, ob der Wirt mit oder ohne Nebelschwaden sein Geld verdienen möchte.

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Denn die jetzige Regelung, die gerne als typisch österreichisch beschrieben wird, schafft Ungleichheit und Verunsicherung. In Innsbruck häufen sich die Beispiele für Lokale, die nicht so recht wissen, in welche Richtung sie gehen sollen. Erst war es der Erlkönig, der letztes Jahr auf Nichtraucher umschwenkte, um nur kurze Zeit später zu erkennen, dass Umsatz auf Dauer mehr bringt als Luftqualität. Jetzt probiert es die Bar Centrale – zumindest untertags –ohne Qualm. Im Gegensatz dazu wird in der Sitzwohl-Bar immer noch geraucht, die Schwaden ziehen dabei nur allzu gerne einen Stock höher ins gleichnamige Luxusrestaurant. Einziges Leuchtturmbeispiel ist hier wohl das altehrwürdige Café Central. Ein Altwiener Kaffeehaus ohne Raucher war für viele gleichzusetzen wie eine Landeshauptstadt ohne Geld – also unvorstellbar. Doch wie man sieht, ist beides problemlos möglich. Nach einem kurzen Einbruch betritt man heute das Café Central und findet nur schwer einen Platz, obwohl der Blick durch den Raum klarer ist denn je.

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Ganz oder zumindest relativ nüchtern betrachtet, hat das Rauchen an sich argumentativ aber ein echtes Problem: Es ist auch passiv aggressiv. Denn wenn ich nach exzessivem Alkoholkonsum meinem Umfeld auf die Nerven gehe, ist das meist nicht gesundheitsschädlich. Selbst härtere Drogen wirken hauptsächlich auf den Konsumierenden selbst. Das kann man vom Rauchen wahrlich nicht behaupten, und so muss man sich als Nichtraucher wie als Raucher eigentlich fragen, warum man dieses Thema überhaupt debattieren muss. Ist der normale Alkoholkater nach dem Ausgehen nicht ausreichend? Muss es wirklich auch noch Kopfweh vom Passiv- (oder Aktiv-)Rauchen sein? Unsere südlichen Nachbarn dienen hier wie in vielen Fragen des Genusses als beispielgebend: Absolutes Rauchverbot in den Lokalen, dafür verstärkter Glimmstengel- und wenn es sein muss Heizpilz-Einsatz vor den Lokalen. 

 

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