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SEPTEMBER 2015

editorial

Die teuerste Gratis-Wohnung der Welt

S

o hat sich Helmut Mader seinen Ruhestand wohl kaum vorgestellt. Da arbeitet man das ganze Leben für das heilige Land und am Ende darf man sich von der eigenen Partei und den Medien wie ein Verbrecher behandeln lassen. Anlass für die Unruhe sind die 188 Quadratmeter im Technikerhaus, die der ehemalige Landtagspräsident und Hypo-Aufsichtsratchef mietfrei und bis zum Lebensende bewohnen darf. Während Mader selbst beschwichtigt, stellten seine ehemaligen Parteifreunde indes seine ÖVP-Mitgliedschaft ruhend und übten sich in moralischen Analysen.

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Natürlich ist die Optik unsauber, das Selbstverständnis widerlich und über allem schwebt die Frage: Warum kann der Mann nicht einfach wie jeder andere seine Miete bezahlen? Doch in Wirklichkeit geht es Helmut Mader hier ein bisschen wie seinem Namensvetter Helmut Elsner. Der BAWAG-Pleite-Banker war das Bauernopfer der Bankenkrise in Österreich. Quasi der erste und dafür auch fast einzige, an dem ein Exempel statuiert wurde, dass es so nicht weitergehen kann. Elsner entstammt dabei wie Mader einer Generation, die in der Vermischung von Politischem und Wirtschaftlichem, Privatem und Beruflichem sehr geübt war. Aus heutiger Sicht schwer vorstellbar, war Transparenz damals ein Schimpfwort, Freunderlwirtschaft etwas durchaus Erstrebenswertes und das Verschaffen von privaten Vorteilen auf Grund beruflicher Tätigkeiten der ganz normale Lohn für überdurchschnittlichen Einsatz. Frei nach dem Motto „Ich reiße mir hier den Arsch auf, das ist ja wohl das mindeste“, kamen viele zu der Erkenntnis, dass das irdische Gehalt für die überirdischen Leistungen nicht ausreichend anerkennend war, und kompensierten diesen Umstand mit außerirdischen Belohnungen.

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Die Causa Mader ist mit Sicherheit nur die ziemlich lächerliche Spitze eines Eisberges, der vor der Krise und der plötzlichen Umkehr zur moralischen Wirtschaftlichkeit keinen Grund zur Aufregung darstellte. Man nahm Geschenke an, schlug Kapital aus Insiderwissen und ließ nur wenig Gelegenheiten aus, um Vorteile aus seiner Position zu schaffen. Der Drang des Machtmenschen, sich besser zu stellen, ist heute noch genauso groß wie früher, nur die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, ist deutlich gewachsen und mit ihr auch die Vorsicht. Umso scheinheiliger ist es, wenn unser Landeshauptmann, der Helmut Mader doch einiges zu verdanken hat, plötzlich einen auf überrascht bis entsetzt macht. Dass man leicht auf jemanden einschlagen kann, der nichts mehr zu melden hat, bewies auch Minister Rupprechter. Als „Bonzentum übelster Art“ bezeichnete er die Wohnsituation von Mader, bevor sich dieser erklären konnte, und ohne, dass ihn jemand nach seiner Meinung gefragt hätte. 

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Mader selbst dürfte durch das Thema zwei Dinge gelernt haben. Einmal, dass sich die Zeiten wirklich geändert haben, und das nicht zum Guten. Und einmal, dass das Einzige, was sich nicht geändert hat, der Umstand ist, dass es in der Politik keine Loyalität gibt. Frei nach dem Motto: Wenn du einmal mächtig bist, bleib es auch besser. Denn ohne Macht, macht sich keiner was aus dir. 

 

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