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FEBER 2018

Kolumne

Ich seh nix mehr

Popkultur und was sonst noch zu sagen ist.

I

ch schau eigentlich nie Fernsehen.“ Diesen Satz hätte ich vor einigen Jahren noch mit massivem Augenrollen und einem inneren Monolog im Stil von „Schön, dass du ein besserer Mensch bist als wir alle. Lebst halt hinterm Mond, ist sicher auch geil“ quittiert. In den letzten Monaten habe ich diesen Satz sicher fünfmal selber gesagt. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass ich den Fernseher das letzte Mal bewusst am Tag der Nationalratswahl im Oktober eingeschaltet habe.

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Warum? Weil ich das durchschnittliche Fernsehprogramm ganz einfach nicht mehr aushalte. Die Sendungen, die ich sehen will, schaue ich in der Mediathek oder im Livestream. Bei jedem Werbeblock, den ich zufällig sehe, krieg ich die Krise, weil so viel Dummheit, Bullshit-Versprechungen und schlechter Geschmack aneinandergereiht werden. Die Serien und Filme, die endlos wiederholt werden, hängen mir zum Hals raus, und wenn ich doch Lust auf spannungsfreies Gute-Laune-Fernsehen habe, dann schaue ich eben „Friends“ oder „New Girl“ auf Netflix.

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Womit wir beim großen Bonus meines Fernsehboykotts sind: Ich habe mehr Zeit für neue Serien. Das heißt immer noch nicht, dass ich alles, was ich sehen will, in dem Zeitrahmen schaffe, wie eine Streamingserie heutzutage der heiße Scheiß ist. Nämlich zwei Wochen lang, maximal drei. Dann kommen auch schon die nächsten Hochkaräter daher. Und auch wenn eine ernstgemeinte Serienleidenschaft angesichts dieses Überangebots mitunter in eine absurde Art von Freizeitstress ausartet, so ist mir dieser Stress allemal lieber, als noch ein einziges Mal „Taff“ zu sehen.