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MAI 2015

Interview

Erster Sommer ohne Sommer

Neun Jahre lang hat Arno Joast den „Sommer am Sparkassenplatz“ veranstaltet. Heuer findet die kostenlose Konzert- und Kinoreihe erstmals nicht mehr statt.

Interview: Barbara Wohlsein
Fotos: Daniel Haslwanter, Sommer am Sparkassenplatz
Erster Sommer ohne Sommer
Erster Sommer ohne Sommer
Erster Sommer ohne Sommer

Mehr Platz für alle. Der Andrang am Sparkassenplatz war stets groß.

Erster Sommer ohne Sommer
Erster Sommer ohne Sommer
6020:

Wieso gibt es heuer keinen „Sommer am Sparkassenplatz“? Arno Joast: Nach neun Jahren als Hauptsponsor hat die Tiroler Sparkasse wohl ihre Marketingstrategie geändert. Der „Sommer am Sparkassenplatz“ ist nicht mehr im Budget berücksichtigt. Das ist schade, weil es immer noch einige Sponsoren gibt, die gerne weiterhin dabei wären. Zuletzt kam die Sparkasse für ca. 65 Prozent der Kosten auf, 35 Prozent haben andere Sponsoren getragen. Außerdem war die Veranstaltungsreihe extrem positiv für das Image des Platzes und der Bank. Aber man muss die Entscheidung akzeptieren.


Zurück zum Anfang: Was war die Idee? Die Idee war, den neu gestalteten Sparkassenplatz mit einem ansprechenden und vor allem kostenlosen Kulturprogramm zu bespielen. Als ich die Kombination aus Konzert, Kabarett, Fußballübertragung und Open-Air-Kino vorgeschlagen habe, hat es zuerst geheißen: Das ist technisch nicht möglich. Aber wenn man so etwas sagt, fordert mich das erst recht heraus. Wir haben es geschafft und 2006 fand zum ersten Mal der „Sommer am Sparkassenplatz“ statt.


Wie war die Resonanz der Besucher? Am Anfang – typisch Innsbruck – noch eher zaghaft. Aber durch den freien Eintritt sind viele einfach mal gekommen, ganz nach dem Motto „schau ma mal“. Die Fußballübertragungen waren sofort ein Hit – das war schließlich das Jahr der WM in Deutschland. Zwei Jahre später, 2008, hatten wir dann beim Konzert von Buena Vista Social Club den größten Ansturm unserer Geschichte. Insgesamt waren in den neun Jahren an 89 Veranstaltungstagen zwischen 160.000 und 180.000 Besucher am Sparkassenplatz.

„Die Leute haben Couchen, Campingsessel und sogar Biertischgarnituren angeschleppt.“

 

Andere Innsbrucker Kulturveranstalter haben den „SaS“ anfangs eher skeptisch gesehen. Das stimmt, wir hatten ziemlichen Gegenwind. Dem Metropol-Kino war unser kostenloses Filmprogramm ein Dorn im Auge, auch das Zeughaus-Kino hatte keine Freude mit uns. Nach einem Treffen hat Norbert Pleifer dann zu uns gesagt: „Schade, dass ihr keine Arschlöcher seid.“ Wir haben uns dann alle recht gut arrangiert. Wir haben auch niemandem die Subvention weggenommen, weil wir bis auf eine minimale Unterstützung der Stadt beim Kinderprogramm privat finanziert wurden.

 

Persönliche Highlights? Mir hat es immer gefallen, wenn sich die Leute am Platz wohlgefühlt haben. Man durfte sein eigenes Getränk und seine Pizza mitbringen, wenn man wollte, die Leute haben Couchen, Campingsessel und sogar Biertischgarnituren angeschleppt. An manchen Kinoabenden mussten wir den Platz sperren, weil der Andrang so groß war. Der Auftritt von Conchita Wurst im vergangenen Jahr war natürlich ein Wahnsinn – ich habe davor noch nie so hysterische Fans gesehen. Mein absoluter Lieblingsmoment war aber der Abend 2011, an dem wir den Film „The Doors: When You’re Strange“ gezeigt haben. Beim Abspann begann – unangekündigt – hinter der Leinwand die Coverband The Doors Experience zu spielen. Dann ging die Leinwand hoch und die Zuschauer bemerkten, dass es Livesound war. Ein unglaublicher Moment.

Arno Joast (re.) und Mitveranstalter Bernd Breitfellner

 

Das Programm wagte sich aber auch in Richtung Jazz und Klassik. Auf jeden Fall. Catherine Russell und Joseph Bowie waren absolute Höhepunkte. Dass das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck zweimal bei uns zu Gast war, hat mich ebenfalls gefreut. Den 50 Musikern hat es richtig Spaß gemacht und es war großartig mitanzusehen, wie gebannt zum Beispiel die jungen Skater vom Sparkassenplatz der klassischen Musik gelauscht haben. Das war definitiv die Stärke des offenen Platzes: Man konnte Menschen mit Musik in Kontakt bringen, um die sie sonst vielleicht einen Bogen gemacht hätten.

 

War die zentrale Lage eher Fluch oder Segen? Sowohl als auch. Beim sehr lauten Soundcheck von Jennifer Rostock oder Kreisky hatten wir schon nachmittags viele Beschwerden, andererseits haben uns die Künstler immer wieder gesagt, wie cool Innsbruck sein muss, dass es mitten in der Stadt so einen Veranstaltungsplatz gibt (lacht).