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JÄNNER 2017

Die dunkle Seite

Eine romantische Tragikomödie über die Enkelgeneration von NS-Opfern und NS-Tätern – kann das funktionieren? Es kann, wie die deutsch-österreichische Produktion „Die Blumen von gestern“ beweist.

Foto: Filmladen Filmverleih, Dor Film
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olocaust-Wissenschaftler Totila Blumen (Lars Eidinger) leidet – an sich, seinen hohen Ansprüchen und an seiner Umgebung. Die Leitung eines Auschwitz-Kongresses wird ihm aufgrund emotionaler Labilität und fehlender Affektkontrolle entzogen, seine jahrelange Forschungsarbeit droht, zum werbefinanzierten Medien-Event zu verkommen. Zudem muss sich Totila noch um Zazie (Adèle Haenel) kümmern und seine eigenen Launen mit den Launen dieser jungen, komplett überdrehten französischen Wissenschafts-Praktikantin in Übereinstimmung bringen. Dass Zazie ein Verhältnis mit Totilas ungeliebtem Vorgesetzten (Jan Josef Liefers) unterhält und Totilas Frau (Hannah Herzsprung) amouröse Abenteuer mit Fremden, macht die ganze Sache auch nicht leichter.

Kein Nazi-Klamauk.

Eine veritable Lebenskrise bahnt sich an. Sie nimmt vollends Fahrt auf, als sich herausstellt, dass die Großeltern von Totila und Zazie als NS-Täter- und NS-Opfer eine unheilsame und unverheilte Vergangenheit miteinander teilen und Zazie genau diesen Umstand zur wenig tragfähigen Basis einer emotionalen Verwicklung mit Totila auswählt.

Die Blumen von gestern

Tragikomödie. Deutschland, Österreich, 125 min Regie: Chris Kraus Mit: Lars Eidinger, Adèle Haenel