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FEBER 2015

Coverstory

„Glücklich machen uns andere“

Im Feber ist das Wetter oft grau, der nächste Urlaub noch weit und das Konto nach der Weihnachts- und Silvestersause leer. Ein guter Zeitpunkt, dem Glück auf die Sprünge zu helfen! 6020 hat einen Glücksforscher zum Interview gebeten.

Illustrationen: Monika Cichoń

 

6020:

Sie beschäftigen sich beruflich mit dem Thema Glück. Sind Sie glücklich? Stefan Höfer: Immer wieder (lacht). Die Frage, wie glücklich man ist, ist schwierig zu beantworten. Es stellt sich die Frage: glücklich in Bezug auf was? Auf das Leben, auf das Hier und Jetzt, auf die Vergangenheit oder in Bezug auf das, was ich in der Zukunft erwarte?

 

Bringen wir’s auf den Punkt: Was macht glücklich? Martin E. P. Seligman, einer der Begründer der Positiven Psychologie, hat eine Glücksformel aufgestellt. Glück = Vererbung + Lebensumstände + Wille. Vererbung heißt, man kommt mit einem bestimmten „Glückslevel“ auf die Welt. Manche Menschen sind einfach von Natur aus eher fröhlich veranlagt, andere sind ewige Grantler. Ein zweiter Faktor: die Lebensumstände. Es macht einen Unterschied, ob ich in Innsbruck lebe oder in Syrien. Der dritte Faktor, der zum Glück beiträgt, ist der Wille, sprich das eigene Verhalten. Was mache ich, um mich glücklich zu fühlen? Gegen Vererbung lässt sich wenig tun und auch an seinen Lebensumständen kann man nur geringfügig etwas ändern. Die Variable, die also am einflussreichsten ist, ist der eigene Wille.

 

Was mache ich also am besten, um mich glücklich zu fühlen? Es gibt drei unterschiedliche Arten von Glück. Es gibt das Glück des Augenblicks, das erste Eis im Frühjahr zum Beispiel oder ein gutes Abendessen. Dann gibt’s das Glück bei „Flow-Erlebnissen“. Im „Flow“ ist man auf sein Tun so fokussiert, dass man um sich herum kaum noch etwas wahrnimmt, außer der Handlung, die man gerade ausführt.

„Die Glückskurve des Lebens verläuft wie ein U.“

 

Was war das Überraschendste, das Sie bei ihrer Forschung entdeckt haben? Bei einer internationalen Studie habe ich Herz-Kreislauf-Patienten vier Jahre lang begleitet. Jene, die in den ersten drei Monaten ihrer Behandlung gesagt haben, dass es ihnen besser gehe, hatten nach vier Jahren eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit. Davon war ich doch sehr überrascht.

 

Das Glück wirkt sich also auf die körperliche Gesundheit aus? Ja, das zeigt zum Beispiel auch eine Studie einer kanadischen Universität. 1.700 gesunde Menschen wurden dafür nach ihrer subjektiven Lebenszufriedenheit gefragt. Jene, die nicht so zufrieden waren, hatten zehn Jahre danach deutlich mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen als jene, bei denen alles gut war.

 

Wie lässt sich das erklären? Da gibt es zwei Ansätze. Das eigene Verhalten ist anders, wenn man sich glücklich fühlt, man lebt gesünder. Auf biologischer Ebene finden Entzündungsprozesse statt, die mit der Psyche zusammenhängen. Beides spielt zusammen.

 

In welchem Alter ist man am glücklichsten? Mehrere Studien zeigen, dass die Glückskurve des Lebens ähnlich wie ein U verläuft. 

Stefan Höfer

ist Psychologe an der Medizinischen Universität Innsbruck. Die Forschungsschwerpunkte des gebürtigen Linzers liegen in den Bereichen Wohlbefinden und Lebensqualität. Im Vorjahr hat der 39-Jährige in Innsbruck einen „Glückskongress“ mit 1.000 Psychologen aus 61 Ländern organisiert.