Wir empfehlen
DEZEMBER 2018

Von Ketten, Brüdern und Geheimnissen

Um die Freimaurerei ranken sich viele Mythen und Halbwahrheiten.
Doch nur wenige Freimaurer sind bereit, offen über ihre Mitgliedschaft
bei der sogenannten Bruderkette zu sprechen. 6020 trifft einen
Freimaurer, der reden und aufklären kann.

Fotos: Axel Springer, Gemeinfrei, Shutterstock.com (6)

 

S

chwarze Anzüge, geschmückte Schürzen, prunkvolle Ketten, weiße Handschuhe und Diskussionen über Weltpolitik. Kaum jemand weiß, was Freimaurer hinter verschlossenen Türen machen, ihre Rituale sind geheim, mit ihrer Mitgliedschaft im Bund sollen sie in der Öffentlichkeit nicht prahlen. Ob bei der Ermordung Kennedys, dem 11. September oder bei der „inszenierten“ Landung auf dem Mond: Freimaurer haben, zumindest laut vielen Gerüchten, überall ihre Finger im Spiel.

// 

Helmut Reinalter ist ein Innsbrucker Historiker und Philosoph, Freimaurerforscher1, deklarierter und überzeugter Freimaurer und leistet seit Jahren Aufklärungsarbeit (als Forscher, nicht als Freimaurer, wie er betont): „Die zurückhaltende Öffentlichkeitsarbeit der Freimaurer unterstützt die Verbreitung der Gerüchte“, erklärt der Professor. Und fügt hinzu: „Leute, denen die Realität zu komplex ist, suchen nach einfachen Antworten, und Freimaurer sind populäre Opfer, da es heißt, sie seien mächtig und einflussreich.“

Ihre Ziele.

„Was muss man sein, um ein Mensch zu sein?“: Diese Frage stellt sich die Freimaurerei. Freimaurer suchen nach moralischen Grundsätzen, die unabhängig von Dogmen funktionieren, und das sorgt für Konflikte: Bis heute ist das Verhältnis zwischen Freimaurerei und Kirche problematisch. Die Rituale werden von der Kirche kritisch gesehen, doch Freimaurer versichern, dass es nur um Persönlichkeitsbildung geht. Permanente Arbeit an sich selbst, Pflege der Rituale in den Logen und die Liebe der sogenannten Bruderkette – das führe zur menschlichen Vervollkommnung.

// 

Am Charakter müsse man arbeiten wie an einem Gebäude, so der Ansatz, dann werde die Welt zu einem besseren und vernünftigeren Ort zum Leben. Die Freimaurer sprechen vom „Bau am Tempel der allgemeinen Menschenliebe“ – diese Ritualsprache begegnet einem oft bei der Recherche.

 

1
Kürzlich erschien sein Buch über die Wirkungsgeschichte der Freimaurer: „Freimaurerei, Politik und Gesellschaft“ im Böhlau-Verlag. Er führte das Gespräch als Freimaurerforscher und nicht im Auftrag einer Großloge oder Loge. Die Kommentierung der Antworten von Prof. Reinalter stammt von der Redaktion.

„Die zurückhaltende Öffentlichkeitsarbeit der Freimaurer unterstützt die Verbreitung der Gerüchte.“

Helmut Reinalter
6020 Online A230 Freimaurer Als

ALS FORSCHER klärt Professor Reinalter über die Freimaurerei auf und nicht im Auftrag einer Loge.

 

 

 

 

  

 

Was war da mit VDB?

Alexander Van der Bellen war in den 1970ern Mitglied der Innsbrucker Loge „Zu den drei Bergen“. Nach einem aktiven Jahr zahlte er zehn Jahre seinen Beitrag und schied schlussendlich auf eigenen Wunsch aus.

 

  

Pyramide mit dem Auge der Vorsehung:

Sie ziert den amerikanischen Dollarschein und die französische Erklärung der Menschenrechte. Die Pyramide ist das vollkommene Bauwerk, bewacht vom Sinnesorgan der Erkenntnis.

Innsbruck hat drei Logen, die zur Grossloge von Österreich gehören.

Ihre Rituale.

Rituale sind ein fester Bestandteil der Logentreffen, vor allem bei der Aufnahme neuer Mitglieder oder der Beförderung bestehender. Diese vollziehen sich in Form einer Dramaturgie und sind emotional berührend. „Deshalb glauben Anhänger der esoterisch-hermetischen Strömung der Freimaurerei, dass wir alles geheim halten sollen. ‚Nichtfreimaurer werden das nicht verstehen‘, sagen sie. Ich selbst denke da anders“, betont Professor Reinalter, der sich zur rational-aufklärerischen Strömung zählt.

// 

Im Rahmen der Rituale gibt es bei jedem Treffen auch einen Vortrag, der etwa eine halbe Stunde dauert und sich zu einem historischen oder aktuellen Thema äußert. Dieses sogenannte „Baustück“ wird anschließend an der „Weißen Tafel“ (Abendessen) diskutiert.

 

Bei ihren Ritualen verwenden Freimaurer symbolische Gegenstände.

Und in Innsbruck?

Innsbruck hat drei Logen, die zur Großloge von Österreich gehören: „Zu den drei Bergen“, „Einigkeit in Freiheit“ und „Ad orbes“. Jede hat etwa 40 bis 60 Mitglieder. Helmut Reinalter ist Mitglied einer Salzburger Loge, warum er nicht in Innsbruck Mitglied ist, möchte er nicht sagen – Freimaurer wissen, wie man es spannend macht. Insgesamt leben in Österreich etwa 3.000 Freimaurer. Jede Landeshauptstadt hat eine oder mehrere Logen.

Ihr Einfluss. 

Viele Freimaurer sind im profanen Leben einflussreich: Anwälte, Politiker, Künstler und ähnliches. Meistens sind sie aber „wichtig“, bevor sie zur Loge kommen. Gefälligkeiten unter „Brüdern“ werden mit „Geschäftsmaurerei“ betitelt und sind verpönt. Networking ist dennoch oft das Ziel einiger „Suchender“.

Wo die Logen sind, kann man leicht herausfinden, Sie sind rechtlich vereine.