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DEZEMBER 2014

Buch an Buch

Büchereibesuche sind ein bisschen retro, aber das ist ja auch schon wieder cool. Und seit man in manchen von ihnen sogar E-Books ausleihen kann, ist ihr Fortbestand wohl auch gesichert. 6020 hat sich in den Buchtempeln umgesehen.

Fotos: Franz Oss
B

üchereien sind mehr als nur Regale mit Büchern. Der Büchereiverband Österreichs mit Sitz in Wien formuliert es auf seiner Homepage so: „Öffentliche Büchereien schaffen den freien Zugang zu Informationen für alle Bürgerinnen und Bürger ungeachtet ihres sozialen, materiellen, religiösen, gesundheitlichen und ethnischen Status.“

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Österreich ist eines der wenigen Länder in Europa, das kein Bibliotheksgesetz hat. Es gibt daher keine Standards für Finanzierung, Räumlichkeiten, Ausstattung oder Personaleinsatz – dementsprechend unterschiedlich sind die Büchereien ausgestattet. Wenn Bibliotheken Subventionen vom Bund erhalten wollen, müssen sie allerdings sehr wohl bestimmte Standards erfüllen. Im internationalen Vergleich rangiert das österreichische Bibliothekswesen im unteren Bereich der EU-Staaten. Innsbruck hat im österreichweiten Vergleich ein dichtes Netz an Büchereien und viele Büchereimitglieder – obwohl die Zahl in den letzten Jahren gesunken ist.

„E-Book für die Ordensschwester“

Bereits 1921 gegründet, gehört die Bücherei der Arbeiterkammer Tirol zu den ältesten und größten Büchereien in Innsbruck. Gemäß ihrem Bestreben nach Bildung für alle hat die Arbeiterkammer in früheren Jahren die Bücher mit Postwägen und Koffern in die Dörfer gebracht. Die AK Bibliothek Tirol zählt zu den wenigen Büchereien, in denen Bibliothekare hauptberuflich arbeiten. Das Ausleihen ist kostenlos. Ernst Haunholter ist der Leiter der Bildungspolitik in der AK Tirol.

 

6020:

Die AK-Büchereien in Österreich haben in Sachen E-Books eine Vorreiterrolle. Wie kommen die E-Books in Innsbruck an? Ernst Haunholter: Sehr gut. Seit der E-Book-Einführung 2011 ist unsere Mitgliederzahl klar gestiegen. Gerade auch die älteren Leserinnen und Leser zeigen sich begeistert. Eine nette Geschichte: Ein Arbeitskollege von mir hat einer 87-jährigen Ordensschwester ihr E-Book erklärt und daheim im Orden die Verknüpfung von E-Book und PC installiert.

„Seit der e-book-einführung ist unsere mitgliederzahl klar gestiegen.“

Ernst Haunholter

2.700 Menschen

haben laut „Büchereiverband Österreich“ 2013 in einer Innsbrucker Bibliothek mindestens eine Ausleihe getätigt. Die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol ist bei dieser Statistik ausgenommen. Büchereimitglieder sind meist Kinder bis 12 Jahre und Frauen zwischen 30 und 60 Jahren.

22.700 Menschen

haben laut „Büchereiverband Österreich“ 2013 in einer Innsbrucker Bibliothek mindestens eine Ausleihe getätigt. Die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol ist bei dieser Statistik ausgenommen. Büchereimitglieder sind meist Kinder bis 12 Jahre und Frauen zwischen 30 und 60 Jahren.

„Wohnzimmer für alle“

Die Stadtbücherei Innsbruck wurde nach den Kriegswirren 1946 wiedereröffnet. Als einer der wenigen Orte ohne Konsumzwang sieht sich die hauptamtlich geführte Bücherei als „Wohnzimmer für alle“. 2015 wird ein lang gehegter Wunsch vieler Mitglieder erfüllt: ab März hat die Bücherei auch Samstag geöffnet. Kathrin Mader-Walch ist die Leiterin der Stadtbücherei Innsbruck.

6020:

 Was lässt das Herz einer Bibliothekarin höher schlagen? Kathrin Mader-Walch: Ein Land wie Finnland, dort nützen ca. 80 Prozent der Einwohner die Angebote einer Bücherei. Eine ganz tolle Zahl! In Finnland ist jede Gemeinde verpflichtet, eine Bibliothek zu unterhalten. Anders bei uns: In Österreich gibt’s ja kein Bibliotheksgesetz.

 

 

Büchereien im Überblick

Die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol

Altbau: Innrain 50, Neubau: Innrain 52a

Mo – Fr: 8 – 22 h

Sa: 8 – 18 h

So: 9 – 18 h

Für Studierende der Leopold- Franzens-Universität, des Management Centers und der Medizinischen Universität Innsbruck gilt der Studierendenausweis als Bibliotheksausweis. Für nicht Universitätsangehörige wird ein kostenloser Bibliotheksausweis ausgestellt. Altbau: Abholung und Rückgabe über Fernleihe bestellter Medien, Montag bis Freitag: 9 bis 15 Uhr, im ersten Stock gibt es einen historischer Lesesaal. Neubau: Lesesaal, PC-Arbeitsplätze, Kopier-Druck-Scan-Station, Freihandbereich, Bereitstellungen aus dem Magazin, Entlehnung und Rückgabe.

 

Stadtbücherei

Colingasse 5a

Mo: 14 – 19 h

Di – Fr 10 – 17 h

Der Jahresbeitrag beträgt 17,30 Euro, es gibt einen ermäßigten Jahresbeitrag und eine Familienkarte. Seit 2012 gibt es ein großes E-Book-Angebot. Eine große Bücherei – Medienbestand: ca. 42.000

 

Bücherei der Arbeiterkammer Tirol

Maximilianstraße 7

Mo, Mi: 9 – 18 h,

Di , Do: 9 – 16 h

Fr: 9 – 12 h

Kein Mitgliedsbeitrag. Seit 2011 gibt es ein großes E-Book-Angebot. Eine große Bücherei – Medienbestand: ca. 57.000