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JULI 2017

Man wird ja wohl noch parken dürfen

Während die Parkplätze in Innsbruck immer weniger werden, kann das für die Anzahl der Autos nicht im selben Ausmaß behauptet werden. 6020 hat mit der Stadt und dem Mobilitätsexperten Markus Mailer über das leidige Thema gesprochen.

Foto: Axel Springer, Fotowerk Aichner, IVB/Berger
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nterer Parkplatz der Hungerburgbahn, Dienstag, 20.30 Uhr. Die letzte Bahn ist um 19.15 Uhr gefahren, der Parkplatz aber ist voll. Ein Blick auf die Nummerntafeln der Autos lässt gewisse Schlüsse zu: viele Studenten, vielleicht ein paar Anrainer aus dem O-Dorf, die wegen der großen Tram/Regionalbahn-Baustelle hier Zuflucht suchen? Der eine oder andere Ausflügler dürfte hier ob des übervollen Parkplatzes wohl schon verärgert umgedreht haben. Auch der Stadt ist die Situation bekannt. Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider, die unter anderem für die Mobilität und die Parkraumbewirtschaftung verantwortlich ist, meint zwar, der Parkplatz werde „prinzipiell gerne als Ausgangspunkt für Wanderungen und das unabhängig von den Betriebszeiten der Bahn genutzt“, sie sagt aber auch: „Dass Autobesitzer aus dem O-Dorf ihr Auto auf diesem Parkplatz abstellen, wagen wir zu bezweifeln, Studierende aber sehr wohl.“

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Mit den Vertretern der Hungerbahn sei man deswegen auch schon im Kontakt, erklärt Pitscheider weiter, und auch eine Lösung sei angedacht: Nebst Gehsteigprojekten braucht es mittelfristig sicherlich eine Bewirtschaftung der Parkplätze im Stadtteil Hungerburg.“ 

Gratis parken – gibt's das noch?

Und wie steht es insgesamt um die freien Parkplätze in der Stadt? „Selbstverständlich gibt es in Innsbruck noch Gratis-Parkplätze“, betont Pitscheider.

Alle Informationen, wo Gebührenpflicht gilt und wo das Auto gratis abgestellt werden kann, können auf der städtischen Homepage unter dem Menüpunkt Umwelt/Verkehr nachgelesen werden, empfiehlt sie Autofahrern.

Nicht ohne mein Auto! 

Studierenden, die auf ihr Auto nicht verzichten wollen, rät die Stadt, eine Anwohnerparkkarte zu beantragen. Voraussetzung dafür ist die Anmeldung des Hauptwohnsitzes in Innsbruck und auch das Auto muss, seit mindestens einem Monat, hier gemeldet sein. Letzteres ist aber ohnehin vorgeschrieben – per Bundesgesetz. In Summe kostet die Parkkarte 222,62 Euro und ist für 24 Monate gültig. „Wer keine Hauptwohnsitzmeldung machen möchte, aus welchen Gründen auch immer, hat noch die Möglichkeit, sich selbst um einen privaten Abstellplatz zu kümmern“, erklärt Sonja Pitscheider.

 

Sonja Pitscheider

„Nebst Gehsteigprojekten braucht es mittelfristig sicherlich eine Bewirtschaftung der Parkplätze im Stadtteil Hungerburg.“

Sonja Pitscheider, Vizebürgermeisterin Stadt Innsbruck

Öffis im Preischeck

Das Semesterticket der Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB), gültig für Studierende unter 27 und für sechs Monate, kostet 129,50 Euro. Das Semesterticket des Verkehrsverbund Tirol (VVT), mit dem man (außerhalb von Innsbruck) mit allen Bus-, Tram- und Bahnlinien tirolweit unterwegs sein kann, 180 Euro.

Außerdem: Wer ein Stipendium bezieht, erhält auch einen Fahrkostenzuschuss. Studierende erhalten im Büro der Stipendienstelle Anträge für das Semester-Ticket und können umgekehrt auch einen Stipendienantrag in den Kundencentern von VVT und IVB abholen bzw. gibt es alle Infos und die Anträge auch online 

(www.ivb.at oder www.vvt.at jeweils unter den Menüpunkten „Tickets“).

Pssst! 

Eine informelle 6020-Umfrage ist in Sachen Gratis-Parkplätze in Innsbruck zu folgendem Ergebnis gekommen: Gebührenfrei geparkt werden kann noch beim Bretterkeller Richtung Igls beim Wasserwerk, beim Landessportheim in der Olympiastraße, in Amras oberhalb des Südrings, Richtung Friedhof und DEZ. Und ein echter Geheimtipp: die kleine Kurve am Schwabeneckweg, Richtung Schießstand. Alle Angaben ohne Gewähr.

Markus Mailer

„Da hört sich für viele der Spaß auf“

Markus Mailer, Leiter des Arbeitsbereichs Intelligente Verkehrssysteme an der Fakultät für Technische Wissenschaften der Uni Innsbruck, im Interview über Generations- unterschiede und warum viele nach wie vor an ihrem Parkplatz hängen.
6020:

Wie sehr hängen die Menschen noch an ihren Autos? Markus Mailer: Häufig wird festgestellt, dass die emotionale Bindung zum Auto abnimmt und „Nutzen statt Besitzen“ der neue Trend ist. Neue CarSharing-Angebote in den Großstädten scheinen das zu bestätigen. Dennoch steigt in Österreich die Zahl der zugelassenen Autos Jahr für Jahr auch bezogen auf Bevölkerung. 2015 waren 4,7 Millionen PKW in Österreich zugelassen, 2016 waren es 4,8 Millionen. In Tirol kamen 2016 526 Autos auf 1.000 Einwohner, Tendenz steigend.

 

Wie groß sind die Unterschiede zwischen Stadt und Land und auch den Generationen? Es gibt klare Unterschiede. In Innsbruck sinkt die Zahl der Fahrzeuge pro Einwohner seit 2012. 2012 kamen in Innsbruck auf 1.000 Einwohner noch 446, 2016 waren es 423. Zum Vergleich: Wien verzeichnet seit 2002 einen Rückgang von 420 auf 370. Im ländlichen Raum hingegen steigt diese Zahl. In Imst waren es 2016 569 Autos, die auf 1.000 Einwohner kamen. Die Relativzahlen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch in Innsbruck in Zusammenhang mit dem Bevölkerungswachstum die Gesamtzahl der PKW dennoch steigt. In 2015 waren in der Stadt 55.530 PKW zugelassen, 2016 mit 55.959, also um 1 % mehr. In der jungen Generation ist nicht nur der Autobesitz geringer, auch der Führerscheinbesitz geht teilweise zurück.

 

Wie groß ist die Bereitschaft, für den Ausbau der Öffis auf Parkplätze zu verzichten? Generell hat der Ausbau der Öffis oder auch der Radinfrastruktur hohen Zuspruch, auch bei Autofahrern. Kritisch wird es aber, wenn es um den eigenen Parkplatz geht. Da hört sich für viele der Spaß auf! Man sieht dies an den hitzigen Debatten zu diesem Thema, bei denen der Wert des öffentlichen Raums und die sinnvolle Nutzung der knappen städtischen Flächen schnell in den Hintergrund gedrängt werden. Da Autos eigentlich eher Stehzeuge als Fahrzeuge sind – sie bleiben rund 23 Stunden pro Tag abgestellt –, spielt der Parkplatz eine große Rolle. Mit steigenden Fahrzeugzahlen und zunehmenden Fahrten aus dem Umland steigt der Druck auf die knappen verfügbaren Flächen in der Stadt.

 

Vielen Dank für das Gespräch.