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JULI 2015

SympathietHrash

6020 stellt Musiker aus Innsbruck vor. Diesmal: Insanity Alert.

Fotos: Franz Oss
H

at dein Fahrrad einen platten Reifen? Du findest Montage zum Schreien? Um den alltäglichen Ärger erfolgreich zu überwinden, reicht Weichspüler-Sound oft nicht aus. Also auf zur dunklen Seite, dort gibt es sogar Kuchen! 

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In ihren Liedern bekreischen Insanity Alert schmerz- und scherzhafte Alltagsdramen rund um tückische Drehverschlüsse, Zombiekreuzigungsängste und bedenkliches Pastasuchtverhalten. Zudem beherrschen sie alle Posen begnadeter Headbanger, nehmen sich aber nicht bierernst. 

Es wird sehr laut.

Bandprobe. Man will an diesem gewittrigen Juniabend ein komplettes Set durchspielen, ein Auftritt steht nämlich an. „Es sind 18 Lieder“, erklärt Dave. Geistig verfluche ich meinen ausdrücklichen Wunsch, bei der Probe dabei zu sein, und bereite mich auf Überstunden vor. „Das dauert also eine gute halbe Stunde“, werde ich beruhigt. Okay, wenn mir fad wird, kann ich ja jederzeit den Proberaum verlassen. Nicht, dass ich sie auch noch bei der Arbeit behindere? Der Besuch scheint die vier Bandmitglieder aber überhaupt nicht zu stören, ich werde sogar liebevoll mit einer Dose Grolsch, etwas Marmorkuchen und fetten Kopfhörern versorgt. „Nimm sie, es wird sehr laut“ warnt Heavy Kevy. „Ich bin übrigens Holländer“, erzählt der Sänger entspannt weiter, „nicht, dass du dich über meinen Akzent wunderst.“ Sein Deutsch ist sehr gut – trotz niederländischem Einschlag sind hie und da auch einige tirolerische Ausdrücke zu vernehmen. Was für eine Mischung. 

„Punk-Fans mögen uns vielleicht nicht, weil wir zu thrashig sind, reine Metal-Fans mögen uns nicht, weil wir zu punkig sind.“

Heavy Kevy
Die Posen sitzen. Insanity Alert thrashen seit 2011.
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Selbiges gilt auch für den Sound, den die vier Jungs produzieren: schneller, präziser und knüppelharter Thrashmetal, der mit einer Prise rotzfrecher Punkattitüde gespickt ist. Nein, hier wird mir sicher nicht fad. Diese vier Typen wissen, was sie tun, und sie tun es mit größter Leidenschaft – ein eingespieltes Team.

Filmreife Nudeln.

Dass Insanity Alert zudem keine Kinder von Traurigkeit sind, beweisen ihre Videos, in denen das Quartett durch bemerkenswerte B-Movie-Schauspielkunst brilliert – Kunstblut inklusive. Das Thema Pasta und Suchtverhalten greifen aktuell auch die italienischen Horrorfilmemacher von „Dirty Tape Production“ auf. Diese wollen den Insanity-Alert-Song „Glorious Thrash“ als Soundtrack für ihr neues Filmwerk verwenden und ein Video zu „Macaroni Maniac“ liefern. Die Band wird auch prompt für den Dreh zum Nudelmassaker eingespannt, die Requisiten – zwei Taschen voll mit Teigwaren, in Summe rund 20 Kilo – 

sind schon besorgt und warten auf den Abtransport. Das kann nur heiter werden. 

Von 20 zu 20.000 Zuschauern.

Gegründet wurde Insanity Alert 2011, der erste Auftritt war als Support-Act von „Suicidal Tendencies“ in Norditalien vor 5.000 Open-Air-Zuschauern. „T-Shirts und Stickers hatten wir schon, nur die Lieder fehlten. Als dann die Anfrage für Brescia kam, hatten wir knapp zwei Monate Zeit, um auch die Songs zu schreiben“, erzählen die Jungs nach der Probe. Zugegeben, Bühnenneulinge waren sie nicht: Heavy Kevy singt schon seit Jahrzehnten in diversen Punkbands (unter anderem The Apers), Drummer Don Melanzani und Gitarrist Dave of Death sind auch Gründer der Innsbrucker Todesmetall-Kombo „Indyus“. Aber wie ging es damals in Brescia aus? „Es lief gut, eigentlich super. Das zweite Konzert war dafür härter, es waren nur 20 Leute da“, erzählen Dave und Kevy. Seither sind sie viel rumgekommen, nach einer Demo-Aufnahmeund einer EP wurde im Oktober 2014 ihr erstes Album „Insanity Alert“ beim belgischen Label Empire Records veröffentlicht.

„Schneller, präziser und knüppelharter Thrashmetal, der mit einer Prise rotzfrecher Punkattitüde gespickt ist.“

Bandmitglieder:

Don Melanzani (Drums), Dave of Death (Gitarre), Heavy Kevy (Gesang), Moosi (Bassgitarre) 

 

Der Sound von Insanity Alert in Worten:

Die Musik ist harte, schnelle Präzesionsarbeit und eignet sich wunderbar als Soundkulisse zum Headbangen und intensiven Wegschrubben hartnäckiger Flecken – gerne auch gleichzeitig. 

 

Wo treten Insanity Alert auf?

Sie haben mittlerweile ganz West- und Mitteleuropa bespielt. Am 26. Juli gibt´s übrigens ein Heimspiel in der p.m.k.

Alle Infos unter www.facebook.com/insanityalert

 

Bekanntheitsgrad: 

Zehn von zehn Noten