„Die Zeit in Innsbruck brauche ich als Puffer, um von der Fashion-Welt wieder Abstand zu bekommen.“
Viktoria Machajdik
ie Geschichte könnte gar nicht klassischer sein: Eine 16-jährige Schülerin wird in einem Innsbrucker Einkaufszentrum von einem Modelscout angesprochen. Auf seine Initiative hin bewirbt sie sich beim Elite Model Look, dem größten Model-Wettbewerb der Welt – und gewinnt prompt den Österreich-Bewerb.
//Heute ist Viktoria Machajdik 19 Jahre alt, war bereits in der italienischen „Vogue“, in der deutschen „Glamour“ und am Cover des Magazins „Diva“. Bei der Fashion Week in Mailand ist sie unter anderem für Dolce & Gabbana und Armani gelaufen. Und für die Marke Etro war Viktoria schon dreimal „Fitting Model“, das heißt, die Kollektionen wurden auf ihren Körper geschneidert. Kurz gesagt: Die Karriere der jungen Innsbruckerin läuft.
Kein Naturtalent.
Der Modelscout von damals heißt Andreas Kranebitter, ist 26 und betreibt inzwischen seine eigene Agentur namens SP-Models.
2013 stand er ganz am Anfang seiner Laufbahn und hatte den Auftrag, in Tirol einmalig Kandidatinnen für den Elite Model Look zu finden.
//Dass das Mädchen aus dem Einkaufszentrum heute aus Magazinen lacht, wundert ihn nicht. „Dass die Vicky viel Potenzial hat, war mir schnell klar. Naturtalent war sie aber keines, zumindest nicht, was das Laufen mit hohen Absätzen betrifft“, erzählt Andreas und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Viktoria lacht mit und pflichtet ihm bei: „Das stimmt absolut. Ich bin 1,80 Meter groß, meine Freundinnen sind viel kleiner. Deshalb habe ich vor dem Modeln nie hohe Schuhe getragen.“
Zwei Jahre Vollzeitmodel.
Nach dem Elite Model Look Austria ging es für Viktoria direkt zum World Final nach China, wo sie mit den ersten internationalen Agenturen in Kontakt kam. Es folgten Aufenthalte in Mailand und London, ein Job führte zum nächsten, das „Buch“ füllte sich.
Nach der Matura entschied sich Viktoria, das Modeln für zwei Jahre zu ihrem Vollzeitjob zu machen: „Erstens wusste ich damals nicht, was ich studieren wollte, und zweitens ist das Modeln ohne Frage eine gute Möglichkeit, um viel zu reisen und dabei Geld zu verdienen.“
//Die zwei Jahre sind nun fast um. Im September geht es zur Fashion Week nach New York – „da dürfte die Vicky als Typ ziemlich gut ankommen“, vermutet Andreas. Danach will Viktoria, sofern sie die Aufnahmeprüfung besteht, in Innsbruck ein Psychologiestudium beginnen.
Innsbruck als Puffer.
Dass sie zwischen ihren Aufenthalten in Mailand, London & Co. immer wieder für längere Zeit daheim in Innsbruck ist, tut der 19-Jährigen gut. Viktoria:„Das brauche ich als Puffer, um von der Hektik und der doch sehr oberflächlichen Fashion-Welt wieder Abstand zu bekommen.
Und meine Freunde und meine Familie sorgen dafür, dass ich im Grunde ein ganz normales Leben führe.“
//Unter „normal“ versteht Viktoria zum Beispiel, ein Nutellabrot zu frühstücken. In den Model-Apartments, in denen sie zum Beispiel in Mailand lebt, wird sie von ihren Kolleginnen dafür am Frühstückstisch schräg angeschaut. (Und nein, das Nutellabrot ist in Viktorias Fall keine Marketing-Lüge à la „Heidi Klum isst Burger“.) Sie hält ihre Modelmaße ohne Sport und Diät. „Das wollen die meisten Frauen wahrscheinlich gar nicht hören“, sagt Andreas. „Ich finde es aber wichtig, dass meine Models gesund sind. Da muss man als kleine Agentur besonders darauf achten – mein Job hat ohnehin ein schlechtes Image.“
„Elbenhaft".
Zum Job eines Modelagenten gehört es auch, Menschen nicht nur als „schön“ zu identifizieren, sondern ihre Attraktivität zu analysieren und zu beschreiben. Was ist denn nun das Besondere an Viktoria? Andreas Kranebitter legt sofort los: „Ich würde ihr Gesicht als sehr symmetrisch und sehr fein beschreiben. Es ist elfenhaft, vielleicht sogar elbenhaft, wenn man zu viel ‚Herr der Ringe’ gesehen hat.“ Gleichzeitig habe sie auch etwas leicht Düsteres an sich, das sie geheimnisvoll macht. „Für den deutschen oder australischen Markt ist Viktoria zum Beispiel nicht ideal, weil da sehr klassische Gesichter gefragt sind.“ In Mailand, London oder New York seien Models wie sie aber hoch im Kurs.
Seit einem halben Jahr ist Viktoria ganz offiziell bei SP-Models unter Vertrag und wird von ihrem „Entdecker“ vertreten und gemanagt. Über diesen Umstand sind beide „sehr happy“, wie sie immer wieder betonen. Für die nächsten Jahre hat der Modelagent ambitionierte Pläne: „Ich fände es toll, wenn Viktoria zum Beispiel in die französische oder amerikanische ‚Vogue’ kommen würde, eine Kampagne für Kunden wie Bulgari oder Cavalli kann ich mir auch sehr gut vorstellen.“
//Dass sein Schützling immer noch sehr ruhig und fast schüchtern auftritt, stört ihn nicht: „Die meisten Kunden mögen so eine zurückhaltende Art sehr gerne. Im Gegensatz zu Fernseh-Castingshows kommen im echten Business nämlich nicht die größten Zicken weiter.“
„Viktorias Gesicht ist sehr symmetrisch und sehr fein. Elfenhaft, vielleicht sogar elbenhaft.“
Andreas über Viktoria
Was seither geschah ...
Im November 2014 berichtete 6020 erstmals über Andreas Kranebitter und seine Agentur SP-Models. Damals ging es um die steile Karriere seines Männermodels Selle Coskun. Was ist seither passiert? Coksun modelt immer noch regelmäflig für Dolce & Gabbana in Mailand, war bei der offiziellen Swarovski Fashion Show dabei, hatte vor kurzem eine Beauty-Fotostrecke im Magazin „Maxima“ und wurde auch für eine Werbung für BMW gebucht.
„Naturtalent war sie keines, zumindest nicht, was das laufen mit hohen Absätzen betrifft.“
Andreas Kranebitter