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JUNI 2020

6020 hat sich gleich am ersten Wochenende, an dem die Gastro wieder öffnen durfte, ins Nachtleben gestürzt. Fazit: Einiges fühlt sich wie immer an, andres eindeutig anders und die meisten Erlebnisse kommen vier Stunden zu früh.

Wo es 6020 gerade besondern gut schmeckt, gibt's übrigens auch auf live.6020online.at/339/top-gastro nachzulesen.

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as Kaffeetrinken am Samstagnachmittag im Arkadenhof fühlt sich eigentlich fast normal an. Daran, dass der Kellner mit Maske an den Tisch kommt und dort Desinfektionsmittel bereitsteht, gewöhnt man sich schnell. Da es im Café am frühen Nachmittag relativ ruhig ist, kommen auch keine Kommunikationsschwierigkeiten zustande. Die einzige Gefahr geht von der Demo gegen die Corona-Maßnahmen, die am Durchgang des Arkadenhofs vorbeizieht, aus – Abstand wird hier nicht gehalten, hier hilft es nur, sich selbst klar zu distanzieren.

Entspanntes Abendessen.

Das L’Arc ist am Samstag um 19 Uhr – unter Wahrung der gebotenen Abstandsregeln – gut besucht. Am Freitag, am ersten Tag, an dem die Gastro nach der Corona-Zwangspause öffnen durfte, sei noch mehr los gewesen, erzählt uns Besitzer Selle Coskun. „Die Stimmung war der Hammer. Das hat man schon den ganzen Tag in der Stadt gespürt, die Leute haben sich zu Mittag ein Gläschen gegönnt – und das hat man dann auch am Abend gemerkt“, erzählt er lachend. Selle Coskun hofft, dass ein schöner Sommer im Gastgarten das Corona-Jahr halbwegs retten kann.

 

 

Die Atmosphäre ist eigentlich sehr entspannt, wohl auch, weil das Lokal nicht vollbesetzt ist. Beim Rein- und Rausgehen setzen wir die Maske auf, die Kellner tragen die Masken konsequent.  Sehr zufrieden verlassen wir um 21 Uhr das Restaurant und müssen uns fast beeilen, weil wir uns noch die Situation in zwei Bars anschauen wollen. Und damit fühlt sich das Ausgehen das erste Mal eindeutig anders an: Im Normalbetrieb muss man sich um 21 Uhr nicht stressen, um in die Bögen zu kommen.

Der erste Spritzer in einer Bar nach zwei Monaten schmeckt dann in jedem Fall richtig gut.

Hey Baby – zeig mir deine Maske.

Im Babalon ist ziemlich viel los – erfahrungsgemäß mehr als sonst an einem Samstag um diese Uhrzeit. Und weil aktuell beim Ausgehen alles ein bisschen früher passieren muss als sonst, kommt auch der in Sachen Originalität eher tiefer angesiedelte Anmachspruch gefühlt vier Stunden zu früh. Sollten wir keine Maske haben, lässt man uns wissen, würde man uns unter der Jacke hineinbegleiten. Und dass wir nun Masken tragen müssen, sei ja sehr schade, so würde man unsere hübschen Gesichter gar nicht mehr sehen. Das Ganze charmant lallend um kurz nach 21 Uhr. Es ist noch hell. Aber auch das mit dem Betrinken muss zurzeit eben schneller gehen – aber dazu später mehr.

 

Der erste Spritzer in einer Bar nach zwei Monaten schmeckt dann in jedem Fall richtig gut. So richtig gut. Auch hier trägt das Personal konsequent Maske. Ein wenig komisch ist der Weg zur Toilette, da es hier ziemlich eng wird und auch die Toilette selbst klein ist. Noch komischer wird es, wenn man dort jemandem begegnet, der keine Maske trägt.

Sperrstunde!

Zum Abschluss geht’s kurz nach 22 Uhr ins Sixty Twenty. Wir setzen beim Hinein­gehen wieder unsere Masken auf und bestellen, wie von einem Schild am Tresen angeordnet, direkt an der Bar, wo die maskierte Kellnerin dann auch gleich abkassiert. Von unserem Tisch am Fenster aus haben wir einen guten Blick auf das Geschehen drinnen wie draußen, viel entgehen würde uns aber sonst auch nicht: Überraschend wenige Menschen stehen oder sitzen mit ihren Getränken im Freien, und auch im Lokal ist die Anzahl der besetzten Tische überschaubar. Bis auf die Musik ist es ruhiger, als man es am ersten Wochenende nach wochenlangem Ausgehverbot erwarten würde.

 

Um 23 Uhr geht das Licht an, die Kellner beginnen mit dem Aufräumen und bringen allen mit Getränken Plastikbecher, in denen sie ihre Drinks mit nach draußen nehmen können. Es dauert eine Weile, bis sich alle mit dem frühen Ende abfinden, aber eine Viertelstunde später ist das Lokal leer. Ein paar machen es sich draußen gemütlich, wir machen uns auf den Heimweg. Auch auf den Straßen ist bis auf die eine oder andere sichtlich angeheiterte Gruppe nicht viel los. Es ist immer noch Samstagabend, fühlt sich aber an, als wäre es schon 4 Uhr früh – was auch daran liegt, dass beim Haus der Musik eine Gruppe Männer selig und aus voller Kehle Schlachtgesänge grölt, wie man sie sonst nur im Fußballstadion oder zumindest im letzten Drittel der Nacht hört.

Die Neuen auf der Arzler Alm

Christina Meilinger und Alexander Hulak übernehmen für die kommenden acht Jahre die Arzler Alm. Im Interview erzählen sie, was sie bisher gemacht haben und welche Ideen und Pläne sie für die Alm der Innsbrucker haben.

 

Christina Meilinger (33) aus dem Pinzgau und Alexander Hulak (32) aus dem Tiroler Unterland sind die neuen Wirte auf der Arzler Alm.

 

6020:

Wann und Warum habt ihr euch dazu entschieden, bei der Ausschreibung für die Arzler Alm mitzumachen? Christina Meilinger: Der Wunsch, uns in der Gastronomie selbstständig zu machen, war schon länger da. Wir schauten uns immer wieder nach passenden Objekten in Innsbruck um. Als wir davon hörten, dass die Arzler Alm neu verpachtet wird, haben wir schnell entschieden, uns zu bewerben. So eine Gelegenheit ergibt sich nur alle 20 Jahre.

Alexander Hulak: Die Arzler Alm passt einfach zu uns – mit ihrer Nähe zur Stadt, der guten Erreichbarkeit, den vielen Radfahrern. Wir waren selbst oft und gerne oben. Sie ist zwar eine große Nummer, aber wir trauen uns das zu.

Was habt ihr bisher gemacht? Christina: Ich besuchte die HBLA mit Service- und Küchenausbildung, nebenher war ich in der Gastro tätig. Anschließend arbeitete ich ein Jahr lang in der Schweiz in der Gastronomie. Nach der Rückkehr begann ich mein Studium der Translationswissenschaften. Als meine Schwester im Pinzgau eine Alpenvereinshütte übernahm, arbeitete ich dort fünf Jahre lang. Danach konzentrierte ich mich wieder aufs Studium in Innsbruck und arbeitete zeitgleich im Wettercafé. Insgesamt verfüge ich über 15 Jahre Erfahrung in der Gastronomie, habe also einiges erlebt.

Wir übernehmen einen geschliffenen Diamanten und wollen das Beste daraus machen.

Alexander Hulak

Alexander: Ich besuchte die fünfjährige Tourismusschule im Zillertal, arbeitete danach regelmäßig in der Gastro. Anschließend wechselte ich in die Eventbranche. Ich studierte in St. Pölten Veranstaltungstechnik und machte mich im Eventmanagement selbstständig. Ich denke, dieses Wissen kann ich nun gut einbringen.

 

Welche Ideen und Pläne habt ihr für die Arzler Alm? Christina: Ideen gibt es viele für die nächsten Jahre. Das Angebot unseres Vorgängers war hervorragend. Da wir uns aber erst eine Routine erarbeiten müssen, ist es für uns anfangs nicht möglich, unseren Gästen das gewohnte Angebot bieten zu können. Wir möchten uns dem Betrieb schrittweise annähern und das Angebot sukzessive erweitern. Für den Start setzen wir unsere Priorität auf eine solide Basis – eine kleine, aber feine Karte und guten Service. Die Arzler Alm ist bekannt und beliebt für ihre Schnelligkeit und die gute Küche. Die Leute kommen wegen des guten Kaspressknödels, der in Nullkommanix auf dem Tisch steht. Es wäre vermessen, zu sagen, wir sperren auf und schaffen das sofort. Aber das ist unser Ziel. Die Arzler Alm soll zudem eine Familienalm bleiben – hier wollen wir den Spagat zwischen leistbaren Preisen und regionalen Produkten schaffen.

Alexander: Wichtig ist uns zudem eine gute Betreuung der Biker. Wir möchten die Servicestation optimieren und vielleicht das Notwendigste für Reparaturen anbieten. Wir übernehmen einen geschliffenen Diamanten und wollen das Beste daraus machen. So wie die Alm war, war sie beliebt – das ist auch gut so. Wir werden auf unsere Weise und mit unserem Tempo weitermachen und hoffen, dass es gut ankommt.

Wie sieht es mit Veranstaltungen aus? Alexander: Längerfristig können wir es uns gut vorstellen, Veranstaltungen zu machen. Es gibt den Stadl, der bisher für private Feiern, für Törggele-Abende, Hochzeiten usw. genutzt wurde. Dort ist einiges möglich.

Wann wird es losgehen? Alexander: Unser sportliches Ziel ist Mitte Juni, spätestens aber Ende Juni.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Geplante Wiedereröffnung: Mitte/Ende Juni | Öffnungszeiten: 9 bis 19 Uhr, Montag Ruhetag | Neue Bäume: Im Zuge von Reparatur- und Sanierungsarbeiten auf der Terrasse durch die Stadt untersuchte das städtische Amt für Wald und Natur gemeinsam mit dem Amt für Grünanlagen den Baumbestand und entfernte aufgrund des schlechten Gesundheits­zustands die Kastanie und Esche. Stattdessen wurden zwei Linden gepflanzt.

Zahl was du willst!

Das Nguyen’s setzt in der Corona-Krise auf eine Karte ohne Preise. Stattdessen können die Gäste selbst entscheiden, was ihnen Essen und Service im vietnamesischen Restaurant am Marktplatz wert waren. Eine auf den ersten Blick nette Idee, die allerdings einige überfordern bzw. stressen dürfte: Habe ich zu viel bezahlt? Oder zu wenig? Nicht gerade der angenehmste Nachgeschmack.

 

 

 

 

 

In den Räumlichkeiten der ehemaligen Taqueria ist ein neuer Inder eingezogen bzw. hat das Ishq im Saggen (Bienerstraße 19) hier eine zweite Filiale eröffnet.

 

 

 

Baustellen-Schnitzel

 

 

Die Altstadt-Wirte sind gerade dabei, sich kleine Schmankerln für die Zeit, in der die Altstadt umgegraben wird, einfallen zu lassen. Im Goldenen Adler kann man sich zum Beispiel Schnitzel (zu einem günstigeren Preis) am Fenster abholen. Weitere Ideen sollen folgen – Gäste hoffentlich auch.

 

 

 

Familiensache

Die eine Firma geht pleite, die andere übernimmt die
betroffenen Lokale – beide gehören der Familie Cammerlander. Auch so kann man Schulden los werden.

Die Gastronom GmbH & Co.KG der Familie Cammerlander, deren Geschäftsführer Herbert Cammerlander ist, übernimmt Krahvogel, Goldenes Dachl und Elferhaus, weil die PLUS Gastronomie GmbH Konkurs angemeldet hat. Deren Geschäftsführer ist Martin Cammerlander, Gesellschafter sind neben Martin Cammerlander (45 %) auch Eduard (10 %) und Andreas Cammerlander (45 %). Okay. Auf Nachfrage erklärt man uns, ein Hineinwirtschaften von der einen (familieninternen) Hosentasche in die andere sei das nicht, weil es sich ja um verschiedene Konstrukte – sprich – Firmen handelt. Aha.

 

Tatsache ist aber: Beide Firmen gehören der Familie Cammerlander und anstatt von der einen in die andere GmbH zu investieren, um die Schulden begleichen zu können, wurde eine Firma in Konkurs geschickt. Die Schulden belaufen sich auf 180.000 Euro, wie viel davon die Gläubiger noch sehen werden, wird gerade mit dem Masseverwalter verhandelt. Die 40 Mitarbeiter wurden gekündigt, einige, aber nicht alle würde man wohl übernehmen können, heißt es seitens der PLUS GmbH.

 

 

 

Optimist der Ausgabe:

Don übernimmt Vapiano

Donhauser übernimmt neben den Lokalen in Wien auch die zwei Vapianos in Innsbruck. Die Kette war bereits vor Corona ins Straucheln geraten. Damit hat sich Donhauser zu einem der größten Gastronomen in Innsbruck gemausert – die Firma betreibt auch das Catering von Congress und das Restaurant auf der Seegrube.