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Ohne Wohnung

Soziale Einrichtungen finden immer schwerer Wohnungen für die steigende Zahl an Klienten. 6020 hat mit Helmut Kunwald vom Verein DOWAS über die Probleme und über mögliche Lösungen gesprochen.

Fotos: Dominique Huter, DOWAS
6020:

Im Frühjahr hat die Arbeitsgruppe Wohnungslosenhilfe Innsbruck die Kundgebung „Ich lebe auf der Straße“ veranstaltet, um auf die akute Situation Wohnungssuchender aufmerksam zu machen. Ist Wohnungslosigkeit ein sichtbares Problem? Helmut Kunwald: Ja und nein. Immer wieder sieht man Leute, die offensichtlich wohnungslos sind. Auf bestimmten Plätzen beispielsweise wird das Problem augenscheinlich. Menschen, die auf der Straße leben, sind aber nur eine kleine Gruppe. Den größeren Teil machen versteckte Wohnungslose aus. Diese leben zum Beispiel in Einrichtungen für akut Wohnungslose, wie der städtischen Herberge oder dem Alexihaus. Alleine dort sind 150 Menschen untergebracht. Zwei Drittel brauchen keine spezielle Betreuung und könnten eigentlich ausziehen, finden aber keine finanzierbare Wohnung. Wiederum andere leben auf unbestimmte Zeit bei Bekannten oder Verwandten. 

 

Wer sind diese Betroffenen? Den typischen Wohnungslosen gibt es nicht.

Anders als viele meinen, betrifft Wohnungslosigkeit nicht nur „Randgruppen“. Quer durch die Gesellschaftsschichten suchen Menschen nach einer fixen Bleibe. Neben jenen, die keine Wohnung haben, gibt es Wohnungssuchende, die in prekären Verhältnissen leben, das heißt in zu kleinen, heruntergekommenen oder zu teuren Wohnungen. Auch für Frauen, die in Abhängigkeitsverhältnissen leben und eigentlich ausziehen müssten, haben wir Schwierigkeiten, Wohnraum zu finden.

 

Mit welchen Problemen sind Wohnungslosen-Einrichtungen konfrontiert? In erster Linie mit dem überteuerten Wohnungsmarkt in Tirol. Vor allem in Innsbruck, aber auch in den umliegenden Gemeinden sind die Mietpreise zu hoch. Jahrelang wurden zu wenige Sozialwohnungen gebaut. Zugleich kontrolliert der private Wohnungsmarkt die Preise. Wohnungen können ohne Mietpreisregelung vergeben werden. Die Mieten sind im Verhältnis zum Einkommen viel zu hoch.

Die Stadt Innsbruck braucht einen konkreten Plan, um auf längere Sicht zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.

Die Stadt spricht von der größten Wohnbauoffensive seit den Olympischen Spielen. Seit 2012 wurden 1.245 geförderte Wohnungen geschaffen. Ändert das etwas an der Wohnversorgung? Dass jetzt versucht wird nachzuholen, ist natürlich gut. In den Jahren davor hat aber der Wohnungsbau stagniert. Daher ist das noch zu wenig. Auch rund um Innsbruck bräuchte es mehr Sozialwohnungen. Unsere Klienten würden auch außerhalb der Stadt leben, doch dort ist die Situation genauso trist. 

 

Was ist mit den sogenannten Boardinghäusern? Boardinghäuser sind Bauten, zum Beispiel alte Pensionen, die tage-, wochen- oder monateweise vermietet werden. Kurzfristig hat man da ein Dach über dem Kopf. Langfristig ist das aber keine Lösung. Man hat keinerlei Sicherheit, keinen Mietvertrag. Die Räumlichkeiten sind oft sehr heruntergekommen und auf die Dauer einfach zu teuer.

 

Das DOWAS kritisiert, dass in Innsbruck eher umweltfreundlich als zweckmäßig gebaut wird. Wie ist das zu verstehen? Bei der Vergabe von sozialen Wohnbauprojekten gibt es sehr strenge Auflagen.

Unter den Bauträgern herrscht mittlerweile ein Konkurrenzkampf, wer die umweltfreundlichsten Häuser baut. Dabei steht die Zweckmäßigkeit oft im Hintergrund. Selbstverständlich ist es zu begrüßen, dass energiesparend gebaut wird. Dadurch können Betriebskosten gesenkt werden. Auf der anderen Seite verteuert das aber leider die Wohnbautätigkeiten. In Folge wird weniger gebaut. Auch die einzelnen Wohnungen werden dadurch teurer. 

 

Was müsste die Stadtpolitik anders machen? Grundsätzlich braucht Innsbruck einen konkreten Plan, um auf längere Sicht zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Leerstände in Innsbruck sollten zum Beispiel besser genutzt und verfügbare Räumlichkeiten nicht als Büros, sondern Mietwohnungen vergeben werden. 

 

Und auf die Schnelle? Kurzfristig gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit, um Wohnungssuchende zu unterstützen und Wohnungslosenhilfen zu entlasten, und zwar durch die Anhebung der Mietpreisobergrenze. Denn viele der Wohnungssuchenden in Tirol sind sogenannte „Aufstocker“. Das sind Mindestsicherer, die zwar ein geringes Einkommen haben –

Kontakt:

Sozialberatungsstelle DOWAS 

Leopoldstraße 18, 6020 Innsbruck