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Text: Rene Nuderscher, Foto: Daniel Jarosch

Dance­floor und Experiment

Das diesjährige Motto des Heart of Noise Festivals lässt große philosophische Begriffe auf Innsbruck los: „From Ontology to Hedonism with no Breaks“.

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ls Eingangszitat im Pressetext des Heart of Noise Festivals 2015 wird gleich William Gibson aufgefahren, der eine Profil- und Konturlosigkeit der Phänomene im Pop konstatiert. „Pop ist nun mehr ein Meer anonymer Sounds, die ozeanisch durch die Gegenwart rauschen“. Wozu dann bitte noch Wahrheitssuche? Alles mau. Trotzdem besteht noch die Möglichkeit, ein Festival auf die Beine zu stellen, das den Anspruch hat, dieses Rauschen und die verschwundenen Arts abzubilden, oder etwa nicht? 

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Zwei Punkte, die sich im fast unübersichtlichen Koordinatensystem der Musiknischen und Subkulturen aber immer wieder auch annähern, sollen dieses Jahr herausgehoben werden. Da ist zum einen die Klangforschung – also die doch wieder Suchenden –, die die Grenzen des Hörbaren ausloten, und jene, die in ihrer Klangarchitektur mit urbaner Clubkultur anbändeln und diese zudem weiterdenken. Wie gesagt, Überschneidungen sind einkalkuliert. So weit, so intellektuell.

Rund um The Bug.

Was dann unabhängig der Konzeptualität an exquisiten und zeitgenössisch relevanten Künstlern seit der Geburt des Heart of Noise 2011 alle Jahre wieder als Line-up vertreten ist, kann sich mit jedem Festival dieser Art messen. Einer der international ganz großen Acts ist heuer Kevin Martin aka The Bug. Jeder Popinteressierte, der die einschlägigen Musikplattformen und Radiosender konsumiert, kam an seinem 2014 erschienenen Album „Angels and Devils“ nicht vorbei. Stichwort: Genre-Bending. The Bug ist die musikgewordene Schnittstelle aus Grime, Noise, Dubstep, Hip-Hop und – Aufzählungen sind mühsam und buchhalterisch. Auch gönnt man sich in diesem Jahr mit dem Elektro-Schlager-Kasperl Alexander Markus einen kleinen Gymnasiastenschmäh. Soll erlaubt sein.

„Pop ist nun mehr ein Meer anonymer Sounds, die ozeanisch durch die Gegenwart rauschen.“

Am Dach und auf mobiler Bühne.

Atmosphärische Sensationen – wenn denn das Wetter wieder mitspielt – sind die Konzer-te auf dem Dach des Adlers-Hotels. Die im letzten Jahr dagewesenen Franzosen AUN verwendeten lange Zeit ein episches Foto ihres dortigen Auftritts – siehe oben – als Titelbild auf ihrem Social-Media-Account. Heuer wird auf dem Adlers-Dach das Innsbrucker Duo Fluktuation 8 (Geheimtipp!) vertreten sein. 

Mit dem Satellit, einer mobilen Bühne, machen sich dann auch wieder die Lokalhengste Columbos Next architektonisch sichtbar. Durch die Stadtpotentiale teilfinanziert, wird man eine Freiluftbühne, die vermutlich noch längere Zeit nach dem Heart of Noise bespielt wird, in die bereits letztes Jahr genutzte Wiese vor den Noch-Stadtsälen stellen. 

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Und als wäre das und die ganzen nicht aufgezählten Musiker (viele spielen im Stadtsaal) nicht genug, wird noch der Gotische Keller in der Hofburg zu einem Festivalbestandteil. Eine Klanginstallation aus Aquarien bildet in Echtzeit die unvorhersehbaren Bewegungen des Lebens in Tonsignalen ab. Um Falco zu pervertieren: Im gotischen Keller geigen die Goldfische.

Interview: Marianna Kastlunger, Foto: Heart of Noise

Die Kraft des Electrolore*

Alexander Marcus tritt zum Auftakt des Heart of Noise am Donnerstag, 18. Juni um 20 Uhr bei freiem Eintritt im Para Noise Garden auf.

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exander Marcus nimmt sich selber nicht besonders ernst. Er findet Leute, die sich zu wichtig nehmen, lächerlich. Außerdem stört es ihn nicht, wenn er als Verrückter tituliert wird. So sei er in bester Gesellschaft mit dem Erfinder des Telefons und „demjenigen, der herausfand, dass die Erde eine Kugel ist und sich dreht“. Auf seinem neuen Album „Kristall“ zelebriert er nun ENDLICH die einfachen Dinge im Leben wie das Durchmachen bis zum Frühstück. Dieses Album könnte sein bisher reifstes Werk sein, Marcus scheint an einem Punkt in seinem Leben angelangt zu sein, wo man alte Beziehungen noch einmal Revue passieren lassen muss. Aber, mit Verlaub: Egal, wen Herr Marcus abfeiert – den Hundi, Männer, so weise und gütig wie das Meer, oder Kokosnüsse und Bananen – niemand kann das so schön bekloppt wie der King of Electrolore. 6020 hat ihm schnell ein paar Fragen gestellt.

6020:

Innsbruck freut sich schon sehr darauf, die Macht des Kristalls zu erleben. Beruht diese Freude auf Gegenseitigkeit? Das wäre schon mega ... Alexander Marcus: Absolut. Ich denke sehr  oft an euch in Innsbruck und das kribbelt dann immer sehr. 

 

Man munkelt, dass es zwischen Ihnen und Globi kriselt – was läuft da schief?